Nur Rom ist Kirche

www.pixelquelle.deDie Freunde Roms sind momentan für Schlagzeilen gut: In einem Dokument der Glaubenskongregation, welches heute veröffentlicht wurde, hat der Vatikan erneut den protestantischen Kirchen das Recht abgesprochen, ihre Glaubensgemeinschaft als „Kirche“ zu bezeichnen („Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“, Antwort zu Frage 5). Begründet wird dies u.a. damit, dass sich die Protestanten nicht auf die Apostolische Sukzession berufen könnten.

Nur und alleine in der römisch-katholischen Kirche bestehe die vollständige Identität mit der von Jesus Christus begründeten Kirche weiter.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, bezeichnet diese Positionierung in einer Stellungnahme als „ökumenisch brüskierend.“ Huber erinnert daran, dass es bereits im Jahr 2000 mit der Erklärung „Dominus Iesus“ zu ähnlichen ökumenischen Irritationen gekommen sei. Ökumenisch gesonnene Christinnen und Christen hätten sich damals darum bemüht, die entsprechenden Formulierungen als missglückt und missverständlich, mithin als Fahrlässigkeit zu entschuldigen. Die jetzt erfolgte unveränderte Neuauflage der entsprechenden Aussagen von „Dominus Iesus“ könne aber nur noch als Vorsatz bezeichnet werden. Es fehle auf römisch-katholischer Seite wohl an der „Einsicht, dass ökumenische Fortschritte wechselseitigen Respekt für das Kirchesein des ökumenischen Partners voraussetzen„, so Huber.

Der Orthodoxie wird in der Erklärung der Glaubenskongregation immerhin die Bezeichnung als (Teil-) Kirche zugestanden. „Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel“ (so ein Zitat aus Antwort auf Frage 4).

Die Alt-Katholischen Kirchen finden in dem Dokument nicht mal Erwähnung.

Soweit ich weiß, hat sich der Bischof von Rom im fünften Jahrhundert den Titel „Pontifex Maximus“ zugelegt, auf Deutsch: „Oberster Brückenbauer“. Betrachtet man das heute von der Glaubenskongregation veröffentlichte Dokument gerade auch vor dem Hintergrund der am Samstag erfolgten Wiederzulassung der Tridentinischen Messe (vgl. Artikel „Rom auf Latein“), kann man eine Phantasie davon bekommen, in welche Richtung die Brücken dieses Pontifikates vor allem geschlagen werden.


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Kommentare

29 Kommentare zu „Nur Rom ist Kirche“

  1. Avatar von andy55

    an solchen aussagen merkt man, wieweit es mit dem innerkonfessionellen frieden eigentlich her ist. oder anders gesagt: wenn ihr euch uns anpasst, haben wir nix dagegen, aber ob wir unsere vorrangstellung überdenken, das ist ganz sicher ungewiss.
    oder so ähnlich.
    ich bin mal wieder sprachlos.
    trotzdem maranatha,
    andy

  2. […] Heute hat ein neues Dokument des Vatikans für Wirbel gesorgt. Ich zitiere im folgenden einen Beitrag von Walter Jungbauer, der heute auf Theologisch.com erschienen ist: In einem Dokument der Glaubenskongregation, welches […]

  3. […] Nur Rom ist Kirche […]

  4. Avatar von hemdbuegeln
    hemdbuegeln

    „[…] So rücken wir ganz bestimmt näher zusammen. Wie soll es mit der ‚Völkerverständigung‘ global denn klappen, wenn es nichtmal die Christen (oder sollte man an dieser Stelle Katholiken schreiben?) schaffen auf ihren Nächsten zuzugehen? […] „

  5. […] mich gar nicht lange mit tief theologischen Kommentaren zum Thema Ökumene befassen. Das können Andere sicherlich ausführlicher und besser als ich. Aber ich frage mich wirklich wie ernst ich (als […]

  6. Natürlich muss Wolfgang Huber schon von Amts wegen prostestieren. Allerdings finde ich den Inhalt dieses Schreibens der Glaubenskongregation weder neu noch sonderlich aufregend. Es präzisiert lediglich nochmals, was bereits ‚Dominus Iesus‘ sagte und was wir Jahrhunderten als römische Ekklesiologie und ‚Ökumeneverhalten‘ kennen. Aber ich denke, man muss auch ein wenig differenzieren: es ist ein Schreiben zum Thema Ekklesiologie und nicht explizit zur Ökumene (wenn beides natürlich auch engstens zusammenhängt). Außerdem richtet es sich mehr als eigene Vergewisserung nach innen als nach außen, wie bereits die sogar etwas zaghaft formulierte erste (!) Frage zeigt. Und zudem scheint die weitaus wichtigere ‚Front‘ katholischer Kirchenlehre im Moment das Verhältnis zu den Ostkirchen zu sein – als Evangelische existieren wir ohnehin nur am Rande des römischen Gesichtsfeldes.

  7. […] geben sich die Protestanten düpiert, brüskiert und vernachlässigt. Was ist eigentlich mit dem deutschen Protestantismus los? Gab’s da nicht mal ne Zeit, wo man […]

  8. Avatar von andy55

    Gefunden bei http://www.welt-online.de (http://www.welt.de/politik/article1014608/Papst_brueskiert_die_Evangelische_Kirche.html?page=12#article_readcomments)

    Andreas Ludwig meint:
    10-07-2007, 15:46 Uhr
    Vorab ein Satz der Klarstellung: Ich bin überzeugter Lutheraner. Die Weinerlichkeit mit der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Huber, auf das Dokument der Römischen Glaubenskongregation reagiert hat, ist für mich wieder einmal symptomatisch für ein grundlegendes Problem der Protestanten heute: wir tun so, als ob wir von Rom irgendeiner Anerkennung bedürften. Dieses permanente Geschreie der deutschen „Klampfenchristen“ auf beiden Seiten nach Ökumene, hat mit dem Sendschreiben wieder einmal eine deutlich Abfuhr aus Rom erhalten. Offenbar hat S. H. der Papst eine Sache klar und richtig erkannt: dieses Wischiwaschi der Ökumene-Friede-Fraktion schwächt die Kirche und ist eine Gefahr für den Glauben. Ich wünschte die Evangelischen Kirchen würden auch endlich die Grenzen der Ökumene erkennen und ihr eigenes Profil wieder schärfen. Die Heruntergekommenheit der Evangelischen Kirche in Gemeindeleben, in Liturgie und Theologie ist ihr größtes und skandalöses Übel, und nicht der Mitgliederschwund, der meiner nach, nun wirklich kein Wunder bei diesen Voraussetzungen ist.
    Wenn der Papst uns den Status als Kirche nicht zuerkennt, na und? Wir erkennen ihn ja auch nicht als Stellvertreter Christi auf Erden an. Die richtige Reaktion der Evangelischen Kirche wäre gewesen, eine klare Profilbotschaft herauszugeben und damit im übertragenen Sinne die Botschaft aus Rom zu verbrennen, so wie das Luther mit der Bannandrohung des Papstes auch getan hat. Lutheraner, Calvinisten und Zwinglianer sind nicht auf die Anerkennung Roms angewiesen, waren es nie und werden es nie sein.
    Politische Zusammenarbeit der Konfessionen ist gute Realität und Notwendigkeit in Zeiten, wo Christen überall auf der Welt in Bedrängnis sind. Theologisch ist der Konflikt aber unauflösbar. Hoffentlich begreifen dies die „68er“ der Kirche endlich! Der Einzige, der die volle, wunderbare Einheit aller Christen in sich herzustellen vermag, ist der dreieine Gott. Der Glaube an diese Trinität ist einigendes Band genug zwischen den christlichen Konfessionen!

  9. Hier ist noch ein lesenswerter Beitrag zum Thema, auf einem neuen Weblog von „wegbegleiter“ Christof Lenzen (er ist Pastor der FeG Eschweiler und Aufatmen-Autor):

    http://wegbegleiter.wordpress.com/2007/07/12/katholische-kirche-die-einzig-vollstandige-kirche/

  10. […] und Christen eingeräumt, dass mit der Erklärung der Glaubenskongregation vom Juli (vgl. Beitrag ” Nur Rom ist Kirche” in diesem Blog) “Salz in eine offene Wunde gestreut worden” sei; auch ihm bleibe […]

  11. […] Eine wesentliche Frage wird bei der Ökumenischen Versammlung sicherlich die Erklärung der römisch-katholischen Glaubenskongregation vom Juli dieses Jahres spielen, in der anderen Kirchen das Kirche-Sein abgesprochen wurde (vgl. Beitrag “Nur Rom ist Kirche” in diesem Blog vom 10. Juli 2007). […]

  12. […] bezüglich der Lehre über die Kirche” der vatikanischen Glaubenskongregation (vgl. den Beitrag “Nur Rom ist Kirche” auf diesem Blog vom 10. Juli d.J.) distanziert haben soll. Das deutet zumindest darauf hin, dass […]

  13. […] Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche” der vatikanischen Glaubenskongregation (vgl. mein Beitrag “Nur Rom ist Kirche” auf dem Blog http://www.theologisch.com vom 10. Juli d.J.) distanziert haben soll. Das deutet zumindest darauf hin, dass auch in der Spitze der […]

  14. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    Ich finde die Diskussion recht oberflächlich. Wer von den hier versammelten hat denn „Dominus Iesus“ des Kardinals Ratzinger sorgfältig gelesen?

    Huber hat Papst Benedikt gegenüber von einer Ökumene der Profile gesprochen. Er wolle klären, was das evangelische Profile eigentlich sei. Und nun hat die Partnerseit klar gestellt, was ihr Profil ist, und schon ist das Gejammer groß und alle sind beleidigt – was soll das? In den hier bemängelten Schreiben der Glaubens-Kongregation – einer inner-katholischen, für Protestanten überhaupt nicht zuständigen Institution – wird einfach auf inner-kartholische Nachfragen reagiert. Hier wird beschrieben, was römisch-katholische Ekklesiologie ist. Eben das „Profil“. Wir (ich bin eben auch evangelisch!) sollten nicht jammern, sondern, wie es oben von andy55 gesagt wurde, unser Profil formulieren (was Huber, n.b. zum 300sten Jubiläum der lutherischen Gemeinde in Genf auch schon versucht hat – wenig überzeugen, m.M. nach).

    Ich verweise weiterhin auf die bis heute regelmäßig stattfindenden Erklärungen (im Sinne von Erläuterung des Textes) zu diesem Thema z.B. durch Kardinal Kasper, oder, jüngst, von Kardinal Lehmann in seiner Rede „Zum Selbstverständnis des Katholischen. Zur theologischen Rede von Kirche“ vom 24.Sep 07, in welcher er auf die Interpretation des umstrittenen „subsistit in“ unübertroffen gründlich eingeht. Lest das!

    Wem das alles aber zu theologisch ist und wer sich nicht wirklich damit beschäftigen will, der soll bitte doch nicht unsachlich mitschimpfen. Bitte! Das nutzt niemandem, als dem eigenen Vorurteil. „Christlich“ ist es auf keinen Fall. Früher hieß das „übles Afterreden“ und wurde bestraft.

    Bitte befriedet Euch!

  15. […] der Glaubenskongregation “Zu einigen Aspekten der Ekklesiologie” (vgl. Beitrag “Nur Rom ist Kirche” vom 10. Juli d.J.) mittlerweile wieder freundlicher geworden. Allerdings weiterhin unverändert […]

  16. @ Wieland Röhricht

    Der von Ihnen zitierte Karl Kardinal Lehmann hat erst jüngst wieder darauf hingewiesen, dass sich als „Kirche“ nur bezeichnen dürfe, wer die (römisch-katholischen) Bischöfe und den Papst als Leitung anerkenne (vgl. mein Beitrag „Protestanten = Kirchliche Gemeinschaft“ vom 02. Oktober 07).
    Für mich geht das weit über eine inner-römisch-katholische Profilierung hinaus, weil es anderen Kirchen offensiv das Kirche-Sein abspricht.
    Was ist daran „oberflächlich“, „unsachlich“ oder gar „üble Nachrede“, wenn ich diese (begründete) Ansicht vertrete? Ich verstehe Ihre Kritik nicht.

  17. […] Glaubenskongregation, der – wie schon bei dem Kongregations-Dokument vom Juli (vgl. der Beitrag „Nur Rom ist Kirche“) – „die Fülle der Wahrheit“ anscheinend nur bei der römisch-katholischen Teil-Kirche zu […]

  18. […] Kommentare Menschen überzeugen… on Nur Rom ist Kircheandy55 on Kann man Gott etwas befehlen?…Ade, Evolutionstheor… on Die Krise der […]

  19. Avatar von norbert wagner
    norbert wagner

    Ob römisch-katholisch, ob evangelisch-protestantisch, oder wie man sich noch gerne nennen mag. Ob Kirche oder Nichtkirche. Streit hin und Streit her; bei GOTT geht es nicht um Kirchen, sondern um Menschen. Für die meisten Christen aber und für alle Kirchen wird es eines tages nur eine sehr böse Überraschung geben. ,,So wahr ich lebe, spricht der HERR, mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird GOTT bekennen. … (Römer 14,11)“
    Menschen wollen sich über GOTT stellen und wollen selbst darüber bestimmen, wer einmal in den Himmel kom-men darf. Doch nicht der Mensch, sondern GOTT selbst bestimmt hierzu die Regeln. Und diese Regeln existie-ren bereits. Es ist nur so, daß sich absolut keiner daran hält. ,,Alle sind sie abgewichen, sie sind allesamt un-tauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer. ………………………. (Römer 3,12)“
    Es steht aber geschrieben: ,,Dies aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. ………………………………………………………………….. (Johannes 17,3)“
    ,,Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden.
    Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Glückselig sind, die seine Gebote tun, damit sie ihr Anrecht erlangen am Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen können.
    Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut. …………………………………………………………………… (Offenbarung 22,12-15)“

  20. @ Norbert Wagner

    … um ebenfalls mit der Bibel zu antworten:

    „Gott ist größer als unser Herz.“ (1 Johannes 3,20)

    Herzlich

    Walter Jungbauer

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