Religionsfreiheit – Es ist 40 Jahre her, dass in der Bundesrepublik die Strafbarkeit von Religionsbeschimpfung weitgehend abgeschwächt wurde. 1969 beschloss die Regierung eine Neufassung des seit 1871 gültig gewesenen § 166 des Strafgesetzbuchs: Bestraft wird nur, dessen Beschimpfung geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. > mehr.
Das Titelbild zeigt das Werk „Piss Christ“ von Andres Serrano. Es war letztes Jahr im Haus der Kunst München zu sehen und diente den Einen als Ausdruck von Blasphemie. Andere sahen darin eine übertragene Darstellung des Kreuzestodes Jesu: Gott erlebte in Jesus selbst die größte Erniedrigung (Tod am Kreuz, Blut, Urin) – und gerade dadurch, dass er diese Gottverlassenheit selbst genau kennt, ist er dem Menschen nah. Er begegnet ihm somit auch in den tiefsten Tiefen des Lebens.
Das Werk „Piss Christ“ besteht aus Urin und Blut und dennoch leuchtet es golden und hell – ein Symbol der Hoffnung. Die beiden Flüssigkeiten werden in diesem Werk in einen neuen Sinnzusammenhang gestellt: was vordergründig abstoßend wirkt, deutet hintergründig darauf hin, dass Gott sich gerade auch in der Schwäche zeigt, dass er dort sogar besonders hervorleuchten kann.
Die Anordnung des Werkes gibt den Materialien neue Bedeutung: das von vielen Menschen als „ekelig“ empfundene Urin strahlt hervor, das Blut gibt der Jesusfigur, die in der Mitte platziert ist, einen historischen Zusammenhang: Jesus erlitt den Tod am Kreuz, bei dem diese Flüssigkeiten eine Rolle spielten. Dennoch leuchtet die Jesusfigur aus diesen Flüssigkeiten hell hervor und wandelt sie zu etwas Erhabenem. Im Profanen zeigt sich das Göttliche.
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