
Wladimir Putin lässt aktuell ein Gesetz absegnen, das dem russischen Militär die gewaltsame Befreiung von im Ausland inhaftierten Russen erlaubt, sofern er deren Urteile für „unrechtmäßig“ hält.
Es ist rührend, wie sehr sich Wladimir Putin um das Wohlergehen seiner Staatsbürger sorgt. Zumindest um jene, die im Ausland einsitzen, weil sie – nach Kreml-Logik – völlig unrechtmäßig verurteilt wurden. Meistens handelte es sich dabei wohl nur um kleine Missverständnisse beim Auftragsmord, geringfügige Spionage-Unfälle oder das versehentliche Hacken ausländischer Infrastruktur.
Die Staatsduma, dieses stets kritische und unabhängige Kontrollorgan, bereitet gerade eine Gesetzesänderung vor. Es gilt als reine Formalie, dass zugestimmt wird. Künftig darf die russische Armee also losschlagen, um diese armen Seelen aus westlichen Kerkern zu befreien. Das nennt man dann wohl konsequente Resozialisierung durch Spezialkräfte. Man stellt sich bildlich vor, wie eine Eliteeinheit in ein Berliner Gefängnis abseilt, nur um dann festzustellen, dass der Gefangene wegen eines Streiks beim Bodenpersonal am BER gar nicht ausgeflogen werden kann. Aber Details haben Moskau ja noch nie gestört.
Man könnte fast meinen, der Herr im Kreml baut vor. Immerhin liegt da dieser lästige Haftbefehl aus Den Haag wegen Kriegsverbrechen vor. Vielleicht träumt er davon, dass, falls er jemals dort landen sollte, ein russischer Panzer durch die Mauern bricht. Das Problem ist nur: Wer in Moskau hätte ein Interesse daran, ihn da rauszuholen? Die Nachfolger sind meistens froh, wenn der Vorgänger gut verwahrt ist. Vorsorge sieht anders aus.
Während Putin also die Welt mit Rettungsfantasien beglückt, schaltet er zu Hause sicherheitshalber mal das mobile Internet ab. Offiziell dient das der „Souveränität“. In Wahrheit dürfte es eher die Angst davor sein, dass die eigene Bevölkerung mitbekommt, wie unentspannt der Diktator wird, wenn es um das eigene Leben geht. Die Ironie dabei ist kaum zu überbieten: Hunderttausende eigene Soldaten in den Tod schicken, um von innenpolitischem Versagen abzulenken – das ist für Putin nur Statistik. Aber die Vorstellung, man könnte ihn lokalisieren und zur Rechenschaft ziehen? Das ist ein Sicherheitsrisiko.



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