
Das Hormus-Dilemma
Eine Analyse der aktuellen geopolitischen Lage im März 2026, die die Verflechtungen zwischen dem Persischen Golf, dem Kreml und den Entscheidungshallen in Brüssel und Berlin beleuchtet.
Warum Europas Lethargie im Iran den Krieg in der Ukraine verlängert und Europa gefährdet
In der globalen Geopolitik des Jahres 2026 gibt es keine isolierten Schauplätze mehr. Was sich derzeit in der Straße von Hormus abspielt, entscheidet unmittelbar über das Schicksal der Frontlinien im Donbass. Wir erleben einen paradoxen Moment der Weltgeschichte: Während die USA und Israel versuchen, das iranische Terrorregime durch militärischen Druck final zu Fall zu bringen, profitiert ausgerechnet der Aggressor in Moskau von den Begleiterscheinungen dieses Konflikts – ermöglicht durch eine strategische Kurzsichtigkeit der Europäer.
Der iranische Flaschenhals und Putins lachendes Auge
Der rote Faden, der die Schlachtfelder im Nahen Osten mit den Schützengräben in Europa verbindet, ist das Öl. Seit Beginn der massiven US-israelischen Luftschläge gegen iranische Atomanlagen und Kommandozentren der Revolutionsgarden hat Teheran seine schärfste Waffe gezogen: die Blockade der Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr fließen normalerweise etwa 20 % des weltweiten Erdölverbrauchs.
Die Folge war ein Schock an den Märkten. Der Ölpreis schoss im März 2026 erstmals seit Jahren wieder über die Marke von 100 US-Dollar. Für Wladimir Putin ist dies ein lebensrettender Geldregen. Während die europäische Wirtschaft unter den hohen Energiekosten leidet, füllen die gestiegenen Margen für russisches Öl die Moskauer Kriegskasse schneller, als westliche Sanktionen sie leeren können.
Trumps taktischer Rückzug von den Sanktionen
Hier setzt die bittere Ironie der aktuellen US-Politik unter Donald Trump ein. Um eine totale Kernschmelze der Weltwirtschaft und eine politisch tödliche Benzinpreisexplosion im eigenen Land zu verhindern, hat die Trump-Administration eine 30-tägige Ausnahmeregelung erlassen. Diese erlaubt es Ländern wie Indien, aber faktisch auch dem Weltmarkt, russisches Öl, das sich bereits auf Tankern befindet, legal aufzunehmen.
Das Kalkül dahinter ist rein pragmatisch: Ölfluss vor Ideologie. Doch dieser Schritt führt die mühsam aufgebauten EU-Sanktionen gegen Russland ad absurdum. Während Brüssel offiziell den russischen Angriffskrieg verurteilt, wird durch das Ausbleiben einer europäischen Sicherungsmission im Golf der globale Ölpreis so hochgetrieben, dass Trump sich gezwungen sieht, Putin die Tür zum Markt wieder einen Spalt weit zu öffnen.
Die europäische Verweigerung: Ein Pyrrhussieg der Passivität
Die Reaktion der EU-Spitze, allen voran von Bundeskanzler Friedrich Merz und der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, ist geprägt von einer riskanten Zurückhaltung. Die Aussage, der Iran-Krieg sei „nicht unsere Sache“, verkennt die systemische Kopplung der Konflikte.
- Das Argument der USA: Würde die EU – wie von Trump gefordert – eine massive Marinepräsenz in der Straße von Hormus unterstützen, könnte die Handelsroute trotz des Konflikts offen gehalten werden.
- Die Konsequenz: Ein stabiles Ölangebot würde den Preis drücken. Fällt der Ölpreis dauerhaft unter die Marke von 60 oder gar 40 Dollar, bricht das russische Staatsbudget in sich zusammen. Putin würde das Geld für den größten Angriffskrieg in Europa seit 1945 schlicht ausgehen.
Indem die Europäer Donald Trump die Hilfe im Iran verweigern, sabotieren sie indirekt ihre eigene Sicherheitspolitik in der Ukraine. Die Weigerung, militärische Verantwortung am Hindukusch oder im Golf zu übernehmen, wird mit jedem zusätzlichen Euro an der Zapfsäule und jedem russischen Panzer an der EU-Ostgrenze bezahlt.
Strategischer Weitblick statt moralischer Distanz
Die Rechnung ist simpel, wenn auch schmerzhaft: Ein schneller Sturz des Mullah-Regimes im Iran, flankiert durch eine gesicherte Schifffahrt, würde den Energiemarkt mit iranischem Öl fluten. Dies wäre der finale wirtschaftliche Dolchstoß für Putins Russland.
Europas aktuelle Haltung ist kurzsichtig. Wer glaubt, man könne den Krieg in der Ukraine gewinnen, während man den Nahen Osten sich selbst überlässt, ignoriert die ökonomischen Realitäten. Wirkliche Solidarität mit der Ukraine würde heute bedeuten, an der Seite der USA und Israels dafür zu sorgen, dass die Straße von Hormus nicht zum Grabstein der westlichen Sanktionspolitik wird.
Quellen:
- DER SPIEGEL, „Irankrieg 2026: Merz kritisiert Planlosigkeit der USA“, 18.03.2026.
- ZDF heute, „USA erlauben vorübergehend Verkauf von russischem Öl“, 13.03.2026.
- Tagesspiegel, „Warum Putin vom Nahost-Krieg profitiert“, 04.03.2026.
- SRF International, „Trump gibt den Ölflüsterer – der Kreml hört genau hin“, 10.03.2026.
- Wikipedia (Archiv), „Konflikt Irans mit den Vereinigten Staaten und Israel 2026“.



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