
Während Elon Musk noch damit beschäftigt ist, Raketen nicht explodieren zu lassen, und die Wissenschaft fieberhaft darüber nachdenkt, wie man kosmische Strahlung überlebt, ohne als menschliches Grillhähnchen zu enden, wartet auf die Menschheit das eigentlich Unvermeidliche: die Zersiedelung.
Sobald die erste Kuppel steht und der Sauerstoffgehalt stabil über dem eines schlecht gelüfteten Besprechungszimmers liegt, wird der Mensch tun, was er am besten kann: Er wird sich ausbreiten.
Die neue rote Vorstadt-Hölle
Das Problem ist simpel: Niemand will im Valles Marineris in einer Hochhaussiedlung wohnen, wenn er fünfhundert Kilometer weiter westlich eine Einzel-Kuppel mit Ausblick auf einen staubigen Krater haben kann. Die Folge? Der Mars wird innerhalb von zwei Generationen aussehen wie das Umland von Gütersloh, nur mit weniger Sauerstoff und mehr Rot-Tönen.
- Pendler-Wahnsinn: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen zwei Stunden in Ihrem Druckluft-SUV, nur um von der „Ruhelage“ am Olympus Mons ins Büro in der „Gale-Krater-City“ zu kommen.
- Infrastruktur-Kollaps: Tausende Kilometer von beheizten Glasfaserleitungen müssen durch die Einöde gelegt werden, nur damit Familie Schmidt in ihrem freistehenden Habitat flüssig Netflix schauen kann.
- Bodenversiegelung: Man sollte meinen, auf einem Planeten, der nur aus Staub besteht, sei das egal. Aber nein, der Mars-Heimwerker wird den regolithischen Vorgarten ordnungsgemäß mit grauen Steinen zuschütten. Schottergärten im All – der wahre Endgegner der Ästhetik.
Das interplanetare Ordnungsamt
Die größte Herausforderung für die Stadtplaner wird jedoch die Bürokratie. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Bebauungspläne für den Mars festlegen, dass die Farbe der Lebenserhaltungssysteme bitteschön zum lokalen Sandton passen muss.
„Es kann nicht angehen, dass Herr Meyer seine Solarpanels im 45-Grad-Winkel aufstellt, wenn die Satzung zur Ortsgestaltung im Sektor 7 klar ein Flachdach vorschreibt.“
Wir werden Billionen investieren, um das Überleben der Spezies zu sichern, nur um am Ende darüber zu streiten, ob der Nachbar seinen Rover rechtmäßig in der Einfahrt geparkt hat oder ob er damit die Fluchtwege für extraterrestrische Notfälle blockiert.
Fazit: Elend in 225 Millionen Kilometer Entfernung
Der Mars bietet uns die einmalige Chance, ganz von vorne anzufangen. Und wir werden diese Chance nutzen, um exakt denselben architektonischen Brei zu erschaffen, vor dem wir auf der Erde fliehen wollten.
Es ist tröstlich zu wissen: Egal wie weit wir reisen, die deutsche Sehnsucht nach einer Doppelhaushälfte mit blickdichtem Zaun ist schneller als die Lichtgeschwindigkeit.



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