
Lauf, Lachs, Lauf
Es ist an der Zeit, über eine der größten marketingtechnischen Hochstapeleien der modernen Gastronomie zu sprechen. Wir betreten ein Etablissement in der Erwartung sportlicher Höchstleistungen und was finden wir vor? Ein gemächlich dahinrotierendes Gummiband, auf dem kleine Reisklumpen mit Fischbesatz eine Geschwindigkeit an den Tag legen, die selbst eine weinbergschnecke unter Beruhigungsmitteln wie eine Formel-1-Boliden aussehen lässt.
Der Name „Running Sushi“ suggeriert eine Dynamik, die biologisch schlichtweg nicht existiert. Schauen wir uns die Fakten an:
- Anatomische Defizite: Sushi hat keine Beine. Einem Nigiri beim Rennen zuzusehen, wäre ein evolutionäres Wunder, für das man Eintritt verlangen müsste, anstatt eine Pauschale für das Essen zu zahlen.
- Physikalische Realität: Nichts an diesem Prozess ist ein „Lauf“. Es ist ein passiver Transportvorgang. Würde man korrekt bleiben wollen, müsste das Konzept eigentlich „Vom Elektromotor mühsam in einem ewigen Kreis beförderte Fisch-Reis-Konstruktion“ heißen.
Warum hat sich dieser Name nicht durchgesetzt? Wahrscheinlich, weil die Speisekarte dann die Ausmaße eines Telefonbuchs annehmen würde und der durchschnittliche Gast bereits vor der Bestellung an akuter Langeweile verstirbt.
Man hat sich also für die Lüge entschieden. „Running Sushi“ klingt nach Action, nach Fortschritt, nach Effizienz. In Wahrheit ist es jedoch nur das kulinarische Äquivalent eines Staus auf der A8 – nur dass man hier die Hindernisse wenigstens aufessen darf. Wir akzeptieren diese semantische Bankrotterklärung nur deshalb, weil wir zu hungrig sind, um über die Unfähigkeit des Lachses zu sprinten zu debattieren.



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