Zwischen Schlagzeile und Küchentisch

Der Sonntag geht,
wie ein letzter Akkord
aus der Kirche hinaus
in die offene Woche.

Der Montag kommt,
mit Wecker, Terminen
und dem vertrauten Geräusch
der Kaffeemaschine.

Und irgendwo
tobt ein großer Krieg im Nahen Osten.
Sirenen,
Staub in der Luft,
Menschen auf der Suche nach Schutz.

Die Bilder erreichen uns
in Sekunden.
Die modernen Medien
legen die Welt
in unsere Handflächen.

Alles scheint
erschreckend nah.

Und doch bleibt es
unbegreiflich fern.

Wir decken den Tisch,
während anderswo Familien zittern.
Wir planen die Woche,
während andere nicht wissen,
ob es eine Woche geben wird.

Ist das Herz zu klein
für diese Spannweite?
Oder ist es eine Form von Barmherzigkeit,
dass wir nicht alles fühlen können
wie Gott?

Nahe ist uns
das Wochenende,
das Gespräch im Treppenhaus,
der Blick eines Menschen,
der uns kennt.

Nahe ist uns
unser Alltag,
unsere Mitmenschen,
die uns anvertraut sind.

Vielleicht liegt darin
keine Gleichgültigkeit,
sondern ein Auftrag:

Dass wir im Kleinen
Frieden üben.
Dass wir im Nahen
Treue lernen.

Die Welt kommt uns
durch Bildschirme entgegen.
Doch Gott kommt uns
durch Gesichter entgegen.

Der Sonntag geht.
Der Montag kommt.

Und Christus steht
nicht nur in den Nachrichten,
sondern an unserer Seite
im ganz gewöhnlichen Leben.

Dort,
wo wir lieben können.


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