Glaube, Macht und Blut – Wenn Religion zum Vorwand wird

​Es ist schon ein wenig ironisch: Judentum, Christentum und Islam haben dieselben Wurzeln und verehren denselben Gott. Trotzdem ist ihre gemeinsame Geschichte oft von Abgrenzung und Gewalt geprägt. Wenn man sich die alten Texte und Berichte ansieht, merkt man schnell, dass es dabei oft gar nicht nur um den Glauben an sich ging, sondern um viel handfestschere Dinge wie Macht und Kontrolle.

​Der Drang zur eigenen Identität

​Am Anfang stand das Bedürfnis, sich abzuheben. Um ein eigenes Profil zu entwickeln, mussten sich die Anhänger der jungen Religionen von den anderen distanzieren. Das Christentum suchte seinen eigenen Weg nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und auch der Islam grenzte sich später deutlich von den „Leuten des Buches“ ab. Ein sichtbares Zeichen war zum Beispiel die Änderung der Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka. Diese Abgrenzung war wichtig für das eigene Selbstverständnis, bot aber auch von Anfang an ordentlich Zündstoff für Streitigkeiten.

​Kreuzzüge: Krieg mit „heiligem“ Anstrich

​Besonders im Mittelalter wurde es dann richtig hässlich. Die Kreuzzüge wurden als Verteidigung des Christentums verkauft. Den Rittern wurde ein Sündenerlass versprochen – wer für die Sache kämpfte, kam laut damaliger Überzeugung direkt in den Himmel. Die Realität sah aber anders aus: Es war eine Zeit voller Grausamkeit. Nicht nur in Jerusalem, sondern auch direkt vor der eigenen Haustür in Europa wurden Menschen, wie zum Beispiel jüdische Gemeinden im Rheinland, Opfer von blankem Hass und Gewalt. Der Glaube diente hier oft nur als Rechtfertigung für Raubzüge und Eroberungen.

​Das Missverständnis namens Jihad

​Auf der anderen Seite steht der Begriff Jihad. Viele denken dabei sofort an Terror, aber das ist zu kurz gegriffen. Eigentlich bedeutet das Wort schlicht Bemühung. Der sogenannte große Jihad ist ein rein innerlicher Kampf: Die Anstrengung, ein moralisch guter Mensch zu sein und nach seinem Glauben zu leben. Der kleine Jihad meinte ursprünglich die Verteidigung des Glaubens mit Waffen. Das Problem ist, dass radikale Gruppen diesen Begriff heute als Vorwand für ihre eigenen politischen Ziele nutzen und die ursprüngliche Bedeutung völlig verdrehen.

​Zeichen der Hoffnung: Es geht auch anders

​In all dem Chaos gab es aber immer wieder Leute, die gemerkt haben, dass Gewalt keine Lösung ist. Ein starkes Beispiel ist Franz von Assisi, der mitten im Krieg den Sultan von Ägypten besuchte, um zu reden statt zu kämpfen. Das zeigt, dass der interreligiöse Dialog schon vor Hunderten von Jahren möglich war, wenn man den Mut hatte, über den eigenen Tellerrand zu schauen und den anderen als Menschen zu sehen.

​Ein Blick auf das große Ganze

​Wenn wir heute auf diese Ereignisse schauen, wird klar: Religion wurde oft als Werkzeug für Machtpolitik missbraucht. Die Geschichte ist voll von Beispielen, in denen der Glaube herhalten musste, um Kriege zu rechtfertigen oder Land zu gewinnen. Es ist also wichtig, genau hinzusehen und zu hinterfragen, ob es wirklich um Gott geht oder eher um ganz menschliche Gier. Die Begegnungen zwischen den Religionen zeigen uns aber auch, dass Respekt und Austausch die einzigen Wege sind, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.


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