Patriotismus? Von wegen…

​Liebe Frau Wagenknecht, werte AfD,

​seit Beginn des russischen Angriffskrieges fallen Sie vor allem durch eines auf: Verständnis. Unfassbar viel Verständnis für den russischen Diktator und seinen brutalen Überfall auf die Ukraine. Während dort der größte Landkrieg seit dem Zweiten Weltkrieg tobt, den Ihr Freund im Kreml vom Zaun gebrochen hat, spielen Sie die Friedensengel.

​Dabei behaupten Sie doch immer, Deutschland ginge Ihnen über alles. Komisch nur, dass Sie Politik für Moskau machen. Vielleicht haben Sie vor lauter Bücklingen gen Osten folgenden simplen Sachverhalt nicht ganz verstanden, daher hier eine kleine Nachhilfe:

​Der Krieg und das Klima (bzw. die Energie) wirken erst mal unabhängig. Sind sie aber nicht. Weil wir uns blind abhängig gemacht haben von russischem Öl und Gas, haben wir jahrelang die Kriegskassen des Diktators gefüllt. Wir haben ihm das Geld gegeben, mit dem er heute die Ukraine in Schutt und Asche legt.

Und jetzt kommt der Punkt, der Ihnen wehtun müsste, wenn Ihnen unser Land wirklich wichtig wäre: Weil wir diese Bedrohung nun abwehren müssen, können wir nicht in unseren Sozialstaat investieren. Das Geld fehlt hier, weil wir es massiv in die Verteidigung stecken müssen. Das war kurzsichtig von uns allen – aber Sie wollen den Fehler ja am liebsten wiederholen.

​Wessen Lied singen Sie eigentlich?

​Sie jammern über soziale Härten in Deutschland? Dann beschweren Sie sich im Kreml. Wer billiges Gas von einem Kriegsverbrecher fordert, verkauft unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Da fragt man sich schon ganz ungeniert: Machen Sie das nur aus ideologischer Verblendung, oder lohnt sich diese Treue zu Russland auch finanziell? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

​Der falsche Frieden

​Und dann ist da noch Ihr ständiges, lautes Rufen nach Frieden. Das klingt auf Wahlplakaten toll, meint in Wahrheit aber Unterwerfung. Wenn Sie fordern, die Waffenlieferungen zu stoppen, dann wollen Sie nicht, dass das Sterben aufhört. Sie wollen schlichtweg, dass die Ukraine aufhört, sich zu wehren. Das ist kein Pazifismus, das ist Beihilfe zur unterlassenen Hilfeleistung.

​Wer vom Opfer verlangt, die weiße Fahne zu hissen, während der Schläger noch zuschlägt, hat jeden moralischen Kompass verloren. Ihr „Frieden“ wäre die Stille eines Friedhofs. Und das wissen Sie auch ganz genau. Sie verkaufen den Leuten Angst als Vernunft und Verrat als Diplomatie. Ganz schön schäbig.

​Was am Ende bleibt

​Hören Sie also auf, sich als Patrioten oder Anwälte der kleinen Leute zu verkleiden. Ein echter Patriot verkauft die Sicherheit seines Landes nicht an eine fremde Diktatur. Es wird Zeit, dass die Wähler erkennen, wessen Interessen Sie wirklich vertreten. Kleiner Tipp: Es sind nicht die deutschen.


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Kommentare

8 Kommentare zu „Patriotismus? Von wegen…“

  1. Ich fühle mich weniger durch Rußland bedroht als vom aufkommenden Sozialismus in diesem Lande. Was die Bundesarbeitsministerin am Wochenende verkündete, ist eine reale Bedrohung meiner Freiheit, während ein durch den Blutzoll eines fast vierjährigen Krieges geschwächtes Rußland nur eine potentielle Gefahr bedeutet.
    Der von den Sozialisten abhängige Riesenstaatsmann aus Brilon wird uns jedenfalls nicht vor dem Sozialismus retten und durch Allokierung knapper Ressourcen für Konsumgüter wie Panzer und Militärflugzeuge wird er den Niedergang nur beschleunigen.

    1. Da schließe ich mich Petra an.

      Mit Ihrem vermeintlichen Sozialismus schmeißen Sie hier Nebelkerzen, um vom wesentlichen Thema abzulenken, vom russischen Angriffskrieg nämlich.

      Personell dürfte Russland nicht allzu stark geschwächt sein, denn das Regime Putin hat ja wenig Probleme damit, weitere hunderttausende in den Krieg zu schicken, solange der werte Herr Diktator und seine Entourage fein zu Hause in ihrem Bunker sitzen.

      Tichys Einblick ist übrigens eine radikale Seite. Diese Seite bitte nicht mehr verlinken. Ich werde den Link auch entfernen.

      Die aktuelle Gefahr ist der russische Imperialismus, der seit Jahrhunderten in Russland zur Kultur geworden ist und dafür gesorgt hat, dass Russland so groß ist, wie es ist.

      Aber es ist vermutlich bereits völlig überdehnt und weil Russland das Geld ausgeht, könnte damit auch der Niedergang Russlands einhergehen.

      Aber ob das gerade jetzt stattfindet, oder noch ein paar Jahre dauert, das kann man aktuell nicht wissen.

      Deswegen bleibt aktuell der russische Imperialismus eine immense Gefahr, ganz natürlich für die Ukraine, aber auch für uns in Europa.

      Und weil Russland so agiert, wie es agiert, sind wir gezwungen, in die Verteidigung zu investieren.

  2. Avatar von Petra Maria Mayer
    Petra Maria Mayer

    Aufkommenden Sozialismus sehe ich nicht, im Gegenteil, ich sehe eine immer größer werdende Gefahr von der extremen Rechten.

    1. Liebe Frau Mayer, selbst unser Kanzler hat erkannt, wohin die Reise geht (wenn Ihnen Bild nicht seriös genug ist, gibt es auch andere Quellen). Aber wegen der aufgebauschten Gefahr von Rechts können die Sozialisten auf ihrer Brandmauerseite schalten und walten, wie sie wollen. [Link entfernt] Der Mittelstand aber wird durch immer höhere Steuern und Abgaben Schritt für Schritt enteignet.
      Am Ende steht Armut für alle und das geht auch ohne Mitwirkung von Putin.

  3. Avatar von Petra Maria Mayer
    Petra Maria Mayer

    Lieber Herr Jothekieker, die Gefahr von Rechts kann man gar nicht genug aufbauschen. Adolf Hitler hat man damals auch nicht ernst genommen und dann hat er die halbe Welt ins Unglück gestürzt. So etwas könnte wieder passieren, davor habe ich Angst!

    1. @Petra
      Die Angst ist meines Erachtens berechtigt.

    2. Na, lassen Sie mal die Kirche im Dorf! Hitlervergleiche sind nicht zielführend. Vor der Regierungsübernahme Frau Melonis hat man in Italien ähnliche Teufel an die Wand gemalt.
      Die wahre Gefahr ist ähnlich der Gefahr, in der ein Autofahrer schwebt, der rechts den Straßengraben sieht und aus lauter Angst vor der rechten Gefahr in den Gegenverkehr gerät.

      1. @Jo Das gedankliche Bild verharmlost das Thema.

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