
Als er einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, daß er (wieder) zu Hause war. 2 Und es versammelten sich so viele Menschen, daß nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. 3 Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. 4 Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen (die Decke) durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. 5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! 6 Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im stillen: 7 Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott ? 8 Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? 9 Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? 10 Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! 12 Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen. (Markus 2,1-12 nach der Einheitsübersetzung)
Jesus muss sich sehr schnell einen Ruf als Heilungsprediger erworben haben wenn er schon, wie hier, am Anfang seines Dienstes eine solche Erwartung schaffte, dass Leute bereit waren das Dach abzudecken, fremdes Eigentum zu beschädigen um Jesus einen Gelähmten zu bringen.
Diese Leute müssen eine extrem hohe Erwartung und Sicherheit gehabt haben, dass Jesus nicht nur heilen konnte sondern auch wollte. Schon darin unterscheiden sich die Freunde des Galähmten von den meisten Christen heute. Für sie war es keine Frage ob Jesus ihren Freund heilen wollte. In dem Punkt waren sie sich absolut sicher.
Meiner Ansicht nach ist diese Sicherheit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung. Man schafft es nicht dran zu bleiben und nach Heilung zu suchen wenn man sich unsicher ist, ob Gott heilen will oder nicht. Mir selber helfen an diesem Punkt Stellen wie Matthäus 12,15 wo es heisst, dass Jesus alle heilte. Er heilte nicht nur ein paar Glückliche sondern tatsächlich jeden der zu ihm kam. Ich sehe keinen Grund anzunehmen, warum sich das heute geändert haben sollte.
Die Freunde hatten die nötige Einstellung um Wunder zu erleben. Sie waren bereit alles zu geben, was nötig ist um zu empfangen. So wie ich sehe, ist es wichtig mit dieser Einstellung an das Übernatürliche heran zu gehen – es an sich zu reissen (Matthäus 11,12). Wie sagte schon Farin Urlaub? „Das Leben ist kein Baumarkt und ihr kriegt nichts geschenkt!“ Andrew Wommack hat es einmal so gesagt: „as long as you can stand a situation you will.“
Einmal mehr erwähnt Jesus hier Sünde und Krankheit in einem Atemzug. John Alexander Dowie, einer der grössten Heilungspioniere, drückte den Zusammenhang einmal so aus: „sickness is the foul offspring of its father satan and its mother sin“. Nun lässt Markus 2 nicht darauf schliessen dass die Lähmung auf eine persönliche Sünde zurückzuführen ist. Jesus zeigt veilmehr, was Gott im Umgang mit uns Menschen am Wichtigsten ist. Das Bedeutsamste ist, dass wir unsere Sünde loswerden und mit Gott ins Reine kommen, nicht dass wir gesund sind. Es ist ja oft so: wir bitten Gott um eine Sache und bekommen eine andere. Ebenso erging es dem Gelähmten, es muss für alle klar gewesen sein, dass er nicht wegen der Vergebung der Sünden zu Jesus kam sondern in erster Linie wegen seiner Krankheit, aber Gott sieht tiefer als wir und weiss, was wir wirklich brauchen.
Man erkennt Christen sicher nicht daran, dass sie reich, gesund und sexy sind. Das können andere auch. Das, was uns wirklich ausmacht und unterscheidet – unser Alleinstellungsmerkmal – ist dass uns die Sünden vergeben sind.
Jesu Reaktion auf die stumme Entrüstung der Pharisäer ist mir bis heute eine echte Herausforderung: „Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher?“ So wie er es sagt klingt es so, als wäre es einfacher den Mann zu heilen als im die Vergebung der Sünden zuzusprechen. Ich fürchte, dass sich in unserer Art das Christentum zu leben seitdem einiges verändert hat. Heute tun wir uns sehr leicht damit Menschen zuzusichern dass ihnen vergeben wurde, aber das Heilen fällt uns schwer. Irgendwie haben wir viel Glauben für das eine, aber kaum Glauben (wenn überhaupt) für das andere. Dabei kommt aber beides aus derselben Quelle.
Ich hoffe, dass es uns nicht nur deswegen leichter fällt Vergebung zuzusprechen als zu heilen, weil man die Vergebung nicht sehen und uns damit nicht an unseren Worten messen kann!
Bild: © Paul-Georg Meister | pixelio.de



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