Geistliche Strukturen durch falsche finanzielle Anreize

system1.jpg Freikirchliche Diener Gottes müssen leben und sollen gut leben. Wie jeder andere Mensch auch, leben sie in ihrem Umfeld und müssen sich damit arrangieren. Meist leben sie in einem rein christlichen Umfeld.

Ihre Hauptgeldgeber sind Christen. Christen, die hingegeben an Gott sind, verstehen den Sinn von Spenden und tragen finanzielle Verantwortung für das Reich Gottes. Nichtchristen empfinden dies naturgemäß als überhaupt nicht wichtig und sind in dieser Hinsicht keine Unterstützung.

Kann es sein, dass dieser Umstand unbewusst dazu beiträgt, dass so viele Anstrengungen für das geistliche Wohl der christlichen Herde unternommen werden und die Nichtchristen in den Hintergrund geraten?

Ist es möglich, dass diese Anreiz- und Verteilungsmechanismen dafür verantwortlich sind, dass so wenige Impulse an die Welt vor unserer Haustüre weitergereicht werden? Ich verstehe diesen Beitrag als Diskussionsbeitrag und habe keine fertige Lösung für die Fragen in diesem Artikel.

Hier einige thesenhafte Beobachtungen, wie ich die geistliche Landschaft allgemein empfinde. – Jedes der unten angesprochenen Bereiche hat für sich große Bedeutung und kann nicht gegen ein anderes Thema ausgespielt werden. Bei den Beobachtungen geht es vielmehr darum, die Verteilungsmechanismen im oben beschriebenen Sinne holzschnittartig darzustellen:

  • Lehre über Lehre, Prophetie, Gemeindestrukturen, Gebet und viele andere innerchristliche Themen sind bei Predigern beliebter als das Thema, andere Menschen konkret zu erreichen?
  • Große Versammlungen werden der kleinteiligen Hausgruppenarbeit bzw. der Hausgemeinde vorgezogen?
  • Bücher werden vorwiegend für Christen und erheblich weniger für Nichtchristen geschrieben? Warum eigentlich?!?
  • Die Bereitschaft, Angler auszubilden ist höher, als selbst zu angeln? Oder um im Bild des Fußballs zu sprechen: Es gibt mehr Nationaltrainer als Nationalspieler?
  • Kontinuierliche „Jünger-Bindungen“ sind angenehmer als Leute selbstverantwortlich rauszuschicken und ihnen zu sagen: Jetzt macht ihr ?
  • Die Bereitschaft Pastorengehälter zu finanzieren ist größer als die Bereitschaft, Hilfsdienste, die nach außen gehen, zu unterstützen?
  • Gemeindeneugründungen werden von bestehenden Gemeinden relativ selten finanziell unterstützt? Auch die Außenmission macht hier keine Ausnahme !?!

Ich freue mich über ihre Beobachtungen, Lösungsansätze und Ideen. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, ob andere finanzielle Anreizstrukturen, mehr Hauskreise, mehr Hilfsdienste, mehr eigenverantwortliche Christen und mehr Gemeindeneugründungen hervorbringen würden?

  1. Und dann: Welche neuen Anreize wären notwendig?
  2. Was muss sich konkret an unserem finanziellem und sonstigenVerhalten ändern?
  3. Welche Akzente und Standards müssen Diener Gottes anders setzen?
  4. Wo finden wir (neuartige) finanzielle Modelle in der Bibel?

Bild: ,memephot, pixelio.de


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Geistliche Strukturen durch falsche finanzielle Anreize“

  1. Avatar von fritzi

    Auch freikilrchliche Geistliche müssen schließlich leben.
    Freikirchen werden aber in aller Regel nicht durch Kirchensteuerzahler finanziert, sondern einzig und allein durch die Spenden ( Zehnten ) ihrer Gemeindemitglieder und Freunden.
    Freikirchen finanzieren (ausschließlich) aus den gleichen Töpfen diakonische Projekte aller Art, unterhalten Kindertagesstätten und Altenheime, Krankenhäuser und Beratungsstellen, unterstützen missionarische Projekte im In- und Ausland usw. usw..
    So gesehen kann ich den kritischen Ton des sich harmlos als „Nachfragen“ tarnenden Beitrags nicht ganz nachvollziehen!
    Z.B.:
    Christliche Bücher werden für alle Menschen geschrieben, aber in der Regel leider nur von Christen gelesen – sollte man nichtchristliche Bücher für nichtchristliche Menschen schreiben und wenn ja, wozu? Solche Bücher gibt es doch schon in Hülle und Fülle!
    z.B.:
    Lehre usw. ist zwar immer wieder mal ein Teil der Predigt, aber nicht so einseitig, wie es hier formuliert wird.
    Wie stellt sich denn der Autor vor, andere Menschen lzu erreichen, wenn sie sonntags nicht in den Gottesdienst kommen? Straßenarbeit? Zeltmission? -Teestubenarbeit? Offene Jugendarbeit? Frauenfrühstück?
    Gibt es doch alles schon lange!
    z.B.:
    Gemeindeneugründungen entstehen in aller Regel aus der aktiven Gemeindearbeit einer bereits bestehenden Gemeinde – und die neu gegründeten Gemeinden erfahren sehr viel an finanzieller Unterstützung durch den / einen gemeinsamen Dachverband.
    z.B.:
    Pastoren, Hausmeister, Diakone werden von den feikirchlichen Gemeinden genauso selbstverständlich finanziert, wie „Hilfsdienste, die nach außen gehen“!

    Mir scheint, die Fragestellung des Autors passt viel besser zur den großen Landeskirchen als zu den Freikirchen!

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