Günter Wallraff: geplante Rushdie-Lesung in Moschee

wallraff.jpgSchon länger ist es her (1989), seit Salman Rushdie aufgrund seines umstrittenen und provokanten Buches „Satanische Verse“ mit der Fatwa von radikalen Muslimen als „vogelfrei“ erklärt wurde. Günter Wallraff möchte nun – in Übereinstimmung mit der größten deutschen Moscheengemeinschaft – eine öffentliche Distanzierung und kritische Aufarbeitung auch auf muslimischer Seite dieses Themas erreichen. Die Bereitschaft der deutsche Muslime schein durchaus groß zu sein. Wallraff dazu: „Es hätte enorme Signalwirkung“. Hier lesen.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Günter Wallraff: geplante Rushdie-Lesung in Moschee“

  1. Avatar von Andreas Hofmann
    Andreas Hofmann

    Zu der Zeit, als Rushdies „Satanische Verse“ nicht erschienen, weil die europäischen Staaten und Verleger einfach zu feige waren, sich dem Ayatollah Khomeini entgegenzustellen, wäre Wallfaffs Lesung eine Heldentat gewesen; selbst in einer Bibliothek.

    Die Lesung in der Moschee ist nur ein dummes Nachtreten und ein merkwürdig selbstverherrlichender Heroismus, der kein Risiko eingeht.

    Erinnern wir uns: Kein Verlag wollte die Satanischen Verse herausgeben, aus Angst vor Anschlägen. Heute, da angeblich der „Islamistische Terror“ „überbordet“, man sich also behaupten möchte, werden „Mohammed-Karrikaturen“ veröffentlicht, wird eine völlig überflüssige Inszenierung von Mozarts (nie so gemeinter) Idomeneo-Oper auf die Bühne gebracht und Wallraff meint, die Moslems mit den Versen zur Toleranz erziehen zu müssen.

    Für mich folgt daraus: Der Islam war zu Khomeinis Zeiten schlicht gefährlicher als heute, da der alte Mann im fernen Iran Bücher in Europa verbieten konnte, die heutigen „Islamisten“ aber keine Macht mehr besitzen, Karrikaturen oder dümmlich-reißerische Inszenierungen (die auch noch von Politikern, denen mehr Weitblick zu wünschen wäre, gutgeheißen werden) zu verhindern. (Was ich an sich gut finde, denn kein Buch, kein Stück, sollte „verboten“ werden.

    Was ich kritisiere ist: Die damalige Feigheit vor Khomeini wird heute mit einem Pomp kompensiert, der einfach nicht angemessen ist, an Gegenständen, die einfach zu harmlos sind, als dass man sie verteidigen müsste.

    Damals war ich als Deutschlehrer in England und hätte Rushdies Buch gern gelesen. Es war nirgends zu bekommen. Selbst der kleinste Buchladen in Oxford verkaufte es nicht. Auch in Deutschland herrschte das Schweigen im Walde. Mittlerweile habe ich es doch und lese es mit Vergnügen; sehe es fast als einen gut einführenden Roman in biblisch-islamische Legenden.

    Nur diese demonstrative Pseudo-Erziehung der Muslime durch den sonst von mir sehr respektierten Wallraff (der im Kampf gegen BILD wirklich was geleistet hat) passt mir nicht: Warum reiht er sich, ähnlich Ralf Giordano, in diese kulturalistische Effekthascherei ein?

    Toleranz fängt nicht damit an, dass man die „Satanischen Verse“ öffentlichkeitswirksam in einer prachtvollen Moschee liest, sondern dass man der Mehrzahl der Moslems erst einmal ermöglicht, aus den Hinterhof-Moscheen herauszukommen, wo kein Wallraff und keiner unserer „geenseitige Achtung und Anerkennnung“ fordernden Politiker je erscheinen würde, um auch nur „guten Tag“ zu sagen.

    Herr Wallraff, lesen Sie in Hinterhof-Moscheen; dort, wo Sie die meisten, verdrängten Muslime finden. Dort, woman durch irgendwelche abbröckelnden Wandverputze gehen und seine Schuhe auf dem nackten Estrich ausziehen muss, dort, wo die Menschen die deutsch-christliche Toleranz gegenüber anderen Religionen täglich zu spüren bekommt.

    Lesen Sie dort, dies herrlich phantasievolle Buch!

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