Pfingsten, die Entstehung der Kirche

Was ist eigentlich Pfingsten? Es ist auf jeden Fall eines der christlichen Feste, von denen viele nicht so genau wissen, was es eigentlich bedeutet.

Wir befinden uns irgendwo in Jerusalem kurz nach Jesu Tod. Die römische Besatzungsmacht hatte Jesus grausam foltern und am Kreuz töten lassen, aber damit war die Geschichte, die die Römer gewaltsam hatten beenden wollen, nicht zu Ende, keineswegs, denn Jesus blieb nicht im Tod. Das, was ihn ausmachte, lebte weiter bzw wurde von Gott wieder auferweckt, so wie die ersten Christen es verstanden.

Dennoch waren die Jünger Jesu verständlicherweise ziemlich eingeschüchtert von den brutalen Machenschaften der Römer, denn genau dies war ja auch das Ziel der Römer gewesen.

Und dann saßen die Jünger beisammen und der Mut verließ sie. Doch plötzlich fassten sie wieder Hoffnung. Es war so, als würde ein frischer Wind, eine göttliche Kraft in den Raum und in jeden Einzelnen hinein wehen, die sie derart erfasste, dass sie keine Angst mehr hatten, sondern sich aufmachten, um die Botschaft Jesu, die gute Botschaft, dass es Gott gibt und dass Gott die Menschen liebt und dass es eine Hoffnung über den Tod hinaus gibt, unter den Menschen zu verbreiten.

Die eben noch zutiefst eingeschüchterten Jünger wurden also mitgerissen von dieser dynamis, dieser Kraft, die sie spürten, und sie gaben dieser Kraft einen Namen, sie sahen in dieser Kraft nämlich das Wirken Gottes, welches sie dann das Wirken des Heiligen Geistes Gottes nannten.

Dann gingen sie hinaus auf die Straßen und sprachen Menschen an, die sie zuvor wohl nie angesprochen hätten oder sich nicht getraut hätten, anzusprechen. Sie sprachen Menschen an, mit denen sie sich vorher vielleicht überhaupt nicht verstanden hätten, aber plötzlich verstanden sie einander, sie kamen inhaltlich auf den Punkt.

Sie waren so begeistert von ihrem Erlebnis, dass sie sich mit den anderen Menschen über dieses Erlebnis und über die Botschaft Jesu verständigen konnten, so dass der Verfasser der Apostelgeschichte es so aufschrieb, dass die Jünger, die man fortan Apostel nannte, gewissermaßen in unterschiedlichen Sprachen sprechen und diese auch verstehen konnten. Gemeint ist das vermutlich eher inhaltlich und nicht so sehr in dem Sinne, dass der Eine nun Hebräisch, der Andere aramäisch, der Dritte lateinisch und der Vierte wirklich altgriechisch sprechen und verstehen konnte.

Sondern es könnte so gewesen sein, wie wir alle das kennen, wenn man sich gestritten hat: man versteht sich nicht mehr. Und dann geschieht etwas und man findet wieder zueinander und versteht sich wieder.

Dieses Ereignis, das die Apostel dazu gebracht hatte, die Botschaft Jesu unter die Menschen zu bringen, wird als der Beginn der Kirche angesehen. Pfingsten ist also der Geburtstag der Kirche.

Dazu hatte die göttliche Kraft, der Heilige Geist, die Apostel so begeistert, als hätte sich diese göttliche Kraft wie ein Feuer auf die Apostel gesetzt und diese für die Sache Jesu entflammt. Und in der Tat war diese Kraft äußerst wirkmächtig und ist es noch, hat sie doch nun seit fast 2000 Jahren Milliarden und Abermilliarden Menschen für die Botschaft Jesu begeistert und entflammt.

Diese Kraft, das Wirken Gottes, der Heilige Geist Gottes also, wird in der Apostelgeschichte beim Pfingstereignis wie ein mitreißendes Feuer dargestellt, an anderer Stelle wird das Symbol der Taube dafür verwendet.

Bei der Taufe Jesu beispielsweise wird es im Evangelium so beschrieben, dass der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herab kam. Auch Jesus hatte also schon diese Begeisterung, die er dann an die Jünger weitergab, welche sie ihrerseits an die ganze Welt weitergaben. Und ich gebe diese Begeisterung hier nun vielleicht auch an Sie weiter. Deswegen gibt es diesen Blog god.fish überhaupt.

13 Gedanken zu “Pfingsten, die Entstehung der Kirche

  1. Fisch: „waren die Jünger Jesu verständlicherweise ziemlich eingeschüchtert“

    Das betrifft nicht nur diese Zwölf.

    Jeder, der mit Körper, Gedächtnis, Ego, Wissen oder Gefühlen identifiziert ist, wird in der Begegnung mit dem Tod – dem absoluten Ende allen Wollens und Handelns – eingeschüchtert sein.

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  2. Fisch: „Doch plötzlich fassten sie wieder Hoffnung“

    Erleuchtung hat nichts mit Hoffnung zu tun.

    Hoffnung ist ein anderes Wort für Angst.
    Und die geht mit der Erleuchtung flöten.

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  3. Fisch: „Menschen für die Botschaft Jesu begeistert und entflammt“

    Apropos „entflammt“: Wenn du die Geschichte so angehst, mußt du seriöserweise auch die (letztlich gewaltsame) Missionierung, die Kreuzzüge und die Scheiterhaufen erwähnen.

    Das Christ-Kirchentum ist wesentlich von Macht und Gewalt geprägt.
    Da bleibt nicht viel übrig, was so etwas wie Stolz rechtfertigen könnte.

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  4. Um es politely auszudrücken: Die Erleuchtung ist kein Schwerpunkt des Christentums. Es fokussiert lieber auf die KIRCHE und ihre Struktur – was du in deinem Vortrag auch bestätigst.

    Daß die Erleuchtung durch den göttlichen Geist nicht nur die Zwölf betrifft, sondern jedem Menschen möglich (Geburtsrecht) ist, leugnet das Christ-Kirchentum und bevorzugt das Bild des fürsorglich leitenden Schäfers mit seinen fügsamen Schäfchen.

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  5. Fisch: „Der theologische Gedanke ist…“

    Du gibst dich wohl immer noch mit
    fremder Leuts Gedanken zufrieden?

    😇

    Fisch: „dass … Gott sich selbst zeigt. Durch Offenbarung, nicht durch Erleuchtung.“

    Ist dir bestimmt aufgefallen, als du den Post abgeschickt hattest:

    ◾ Was sollte Offenbarung denn anderes sein als Erleuchtung?
    ◾ Was sollte Erleuchtung denn anderes sein als Offenbarung?

    Die Termini unterscheiden sich – weiter nichts.

    😇

    Fisch: „dass man nur zu Gott findet, wenn Gott sich selbst zeigt“

    Ja, so isser.

    Aber wir können längst wissen, daß wir uns mitten im Göttlichen
    befinden. Im Christlichen spricht man hier auch von „Gewißheit“.

    Gewißheit hat nichts zu tun
    mit Glauben oder Hoffnung!

    Um zu wissen, daß wir vom Göttlichen umzingelt &
    durchdrungen sind, müssen wir auf nichts warten;
    auf keine Offenbarung und auf keine Erleuchtung.

    Ein bißchen Meditation, vielleicht… 🌷

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