Das Thema Angst in der katholischen Kirche

Das Evangelium, das man den Menschen verkünden soll, die gute Nachricht, dass Gott alle Menschen liebt, wäre eigentlich nichts, wovor man Angst haben müsste.

Wenn man aber in die katholische Kirche schaut, darauf, wie der Missbrauchsskandal in Deutschland schleppend und zäh und träge aufgearbeitet wurde und wird, wenn man sieht, dass ein angehender katholischer Priester letzlich nur aufgrund eines Fotos, bei dem zwei junge Menschen in die Kamera lächeln, von der Ausbildung ausgeschlossen wird, wenn man sieht, dass es schon eine nicht ganz ungefährliche Heldentat ist, wenn katholische Priester mit Zivilcourage an ihre Kirche eine bunte Regenbogenfahne hängen, um latent und dezent ihren Unmut daran kundzutun, dass in der katholischen Kirche auch weiterhin homosexuelle Paare den Segen Gottes nicht offiziell erhalten dürfen, und wenn man sieht, wie eine katholische Religionslehrerin mäandernd versucht, zwischen den Zeilen vorsichtig Kritik zu äußern, aber doch nur so, dass sie nicht zu viel Anstoß bei dem allmächtig und hierarchisch ausgerichteten System der katholischen Kirche erregt, bekommt man das Gefühl, dass in einigen Punkten weniger die gute Nachricht, die befreiend ist, im Vordergrund steht, sondern vielmehr die Angst.

Es wäre nun einseitig, zu meinen, die Angst sei das alles Beherrschende in der katholischen Kirche, denn es gibt natürlich auch die vielen Priester und Diakone und auch die Mitarbeiter*innen, die sich liebevoll und aufopfernd um andere Menschen kümmern und denen man Unrecht tun würde, wenn man sie kollektiv unter dem Begriff der Angst subsumieren wollte. Aber dennoch überwiegt in der medialen Berichterstattung die Angst, die an einigen Stellen in der katholischen Kirche offensichtlich von nicht ganz wenigen Menschen gespürt werden dürfte.

Schade eigentlich, denn Kirche könnte und sollte doch eigentlich ein Ort der Hoffnung sein, kein Ort, wo Menschen Angst haben sollten. Hier gibt es noch einiges Entwicklungspotenzial in der katholischen Kirche. Im Weinberg des Herrn ist noch einiges zu tun.

Hierarchische Strukturen der katholischen Kirche begünstigen Angst, Hoffnung jedoch geben immerhin die vielen engagierten katholischen Gläubigen und auch manche katholischen Priester mit Engagement und Zivilcourage.

Lesen Sie hier auch den Bericht einer katholischen Religionslehrerin.

8 Gedanken zu “Das Thema Angst in der katholischen Kirche

  1. Ein katholischer Priester und ein Rabbi machen einen Spaziergang am See. Schon bald kommen sie auf die Idee, eine Runde schwimmen zu gehen. Also machen sie sich nackig und springen ins Wasser.
    Als sie sehen, daß gleich eine Gruppe von Leuten vorbeikommt, steigen sie schnell ans Ufer um ihre Blöße zu bedecken. Doch inzwischen hatten Kinder Schabernack getrieben, also war den Männern Gottes die Kleidung abhanden gekommen.
    Notgedrungen bedeckt der Pfarrer mit seinen beiden Händen das Geschlecht, während der Rabbi seine Hände vors Gesicht nimmt.
    Kaum sind die Spaziergänger betreten, aber grüßend weiter gegangen, fragt der Priester: „Rabbi, warum haben Sie nicht Ihr Geschlecht bedeckt?“
    Darauf der Rabbi: „Meine Gemeinde erkennt mich am Gesicht.“

    Gefällt 1 Person

  2. Übergriffigkeit und Angst sind keine speziell klerikalen Auswüchse. Sie kommen überall dort vor, wo die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind:

    ◾ Machtgefälle
    ◾ Starkes Bedürfnis
    ◾ Fehlende Geistige Reife
    ◾ Mangelndes Selbstbewußtsein

    Gefällt 1 Person

    1. Ein entscheidendes Element fehlt noch:

      ◾ Gelegenheit

      Internate zum Beispiel… boten und bieten Gelegenheiten.

      Allerdings ist auf der einen Seite die Autorität im Begriff zu schwinden und auf der anderen Seite machen es steigendes Selbstbewußtsein und schwindende Scheu den Übergriffigen zunehmend schwerer.

      Gefällt 1 Person

        1. Fisch: „…und die Öffentlichmachung derartiger Vorkommnisse“

          Das ist die falsche Priorisierung, denn Öffentlichmachung ist neben dem Nutzen immer auch Pranger und damit Teil der Perversion.

          Öffentlichmachung ist ein Notbehelf, der gebraucht wird, wenn die Dinge systemisch schief laufen.

          Gefällt 1 Person

  3. Im Verurteilen bekommen wir die Note 2
    Im Verstehen hapert es gewaltig: Note 5

    ◾ An die erste Stelle gehört das Abstellen der Unbill.
    ◾ An zweiter Stelle muß das Verstehenwollen stehen.

    ◾ In einer etwas reiferen Gesellschaft
    wird man sich das Verurteilen sparen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.